Batteriespeicher-Betreiber erwarten einen der lukrativsten Winter
· Solaranlage kaufen Redaktion · 3 Min. Lesezeit

Starke Preisschwankungen begünstigen Speicher
In Europa sind seit der letzten Energiekrise rund 40 Milliarden Dollar (rund 36 Milliarden Euro) in Batteriespeicher geflossen (windjournal.de). Diesen Winter können die Betreiber dieser Anlagen mit besonders hohen Einnahmen rechnen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Grund liegt in der wachsenden Lücke zwischen der teuersten und der billigsten Stunde eines Tages am europäischen Strommarkt – fast so groß wie in der Energiekrise 2022.
Laut Bloomberg liegt der Gaspreis nahe dem höchsten Stand seit vier Jahren, als Auslöser gilt der Ukraine-Krieg. Die EU hat seit Beginn des Ukraine-Kriegs über 100 Milliarden Euro mehr für Öl und Gas ausgegeben. Sobald Gaskraftwerke zur Stromerzeugung hinzugeschaltet werden, verteuert das die Kosten für Verbraucher. Nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis für alle Anbieter. Wenn jedoch viele Wind- und Solarstromanlagen einspeisen, sinkt der Preis deutlich – manchmal sogar unter null.
Wie Speicherbetreiber vom Preisgefälle profitieren
Genau von diesem Abstand zwischen Höchst- und Tiefstpreis leben Speicherbetreiber. Wenn der Strompreis niedrig ist – etwa durch starke Wind- oder Solarproduktion – laden sie ihre Batterien. Wenn Gaskraftwerke den Preis bestimmen, verkaufen sie die gespeicherte Energie. Je größer die Preisspreizung innerhalb eines Tages, desto höher die Erlöse.
Diese Entwicklung wirkt zweifach: Einerseits steigen die Einnahmen der Speicherbetreiber, andererseits verschlechtert sich die Kostenrechnung für neue Gaskraftwerke. Das Beratungshaus Wood Mackenzie hat 43 Strommärkte untersucht. In jedem davon sind Batteriespeicher für die Abendspitze günstiger als Gaskraftwerke. In Europa erzeugen fossile Kraftwerke den teuersten Strom aller untersuchten Regionen.
Deutschland: Enervis-Index zeigt +28 Prozent
Das Beratungshaus Enervis berechnet jeden Monat die zu erwartenden Erlöse für deutsche Batteriespeicher. Grundlage ist ein Modell mit einem Megawatt Leistung und zwei Megawattstunden Speicherkapazität, das sowohl am Intraday-Markt als auch mit Regelleistung handelt. Im August erzielte der Index rund 16.770 Euro je Megawatt – etwa 28 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. Als Hauptgrund nennt Enervis die weiter steigenden Gaspreise.
Auf zwölf Monate hochgerechnet ergibt sich ein Erlös von rund 159.000 Euro je Megawatt. Allerdings zeigt die bisherige Erfahrung: Im Winter fielen die Werte bislang niedriger aus. So erreichte der Index im Dezember 2025 nur 5.700 Euro je Megawatt, während er im September 2025 bei 18.900 Euro lag. Enervis führt die stärkeren Sommermonate auf die Kombination aus reichlich Solarstrom bei gleichzeitig geringer Nachfrage zurück. Ob der hohe Gaspreis dieses Muster in diesem Winter bricht, zeigen die Indexwerte ab Dezember.
Netzausbau bleibt Herausforderung
Die Bundesregierung hat eine Ausschreibung für elf Gigawatt steuerbare Kraftwerksleistung aufgelegt. Im Rahmen dieser Ausschreibung müssen die ersten neun Gigawatt über einen Zeitraum von zehn Stunden durchgehend lieferbar sein. Batteriespeicher mit vier Stunden Speicherdauer erfüllen diese Anforderung nicht. Gebaut werden sie dennoch, weil Betreiber am Spotmarkt täglich Einnahmen erzielen können.
Merseburg beherbergt einen der größten deutschen Speicher, ergänzt durch den Batteriespeicher-Park in Klostermansfeld. Aktuelle Informationen zu weiteren Projekten veröffentlicht der Energiespeicher-Ticker von Cleanthinking.
Prognose: Winter könnte bisheriges Muster brechen
Immer mehr Betreiber profitieren von den Erlösen aus Batteriespeichern. Nach Berechnungen von Verivox können Gasversorger ihre Preise zum Jahreswechsel je nach Tarif um zehn bis 20 Prozent anheben. Bei Haushaltskunden mit Stromvertrag steigen vor allem die Netzentgelte, da der Bund seinen Zuschuss kürzt. Ob der hohe Gaspreis das bisherige Sommermuster – starke Erlöse durch viel Solarstrom bei geringer Nachfrage – in diesem Winter durchbricht, werden die kommenden Monate zeigen. Fest steht: Die Kombination aus teurem Gas und volatiler Erneuerbaren-Einspeisung macht Batteriespeicher aktuell zu einem der attraktivsten Segmente im Strommarkt.
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Quellen
- Speicherbetreiber steuern auf einen lukrativen Winter zu — cleanthinking.de, 2026-10-16
- Speicherbetreiber steuern auf einen lukrativen Winter zu — windjournal.de, 2026-10-16
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