18 Partner entwickeln offene Software für flexible Stromverbraucher
· Solaranlage kaufen Redaktion · 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze
- 18 Partner entwickeln eine offene Software-Infrastruktur für flexible Stromverbraucher.
- Bis 2030 beziffert eine EU-Analyse die nachfrageseitige Flexibilität auf rund 120 Gigawatt.
- Österreich plant ab 2027 schrittweise Anreize für flexible Stromnutzung.
„Viele flexible Geräte sind heute bereits vorhanden“ — Guntram Preßmair, Projektkoordinator bei e7 Energy Innovation & Engineering.
Preßmair ist der Ansicht, dass sich das Potenzial nur sinnvoll nutzen lässt, wenn unterschiedliche Technologien und Akteur*innen zuverlässig zusammenspielen. Eine offene, gemeinsame Grundlage wie jene, die Focus:Lfm schaffen soll, soll technische Hürden reduzieren und zusätzliche Möglichkeiten für Flexibilitätsangebote im Energiesystem eröffnen.
Das auf 48 Monate angelegte Vorhaben ist darauf ausgerichtet, Geräte, Energiemanagementsysteme sowie Netz- und Marktprozesse über gemeinsame Schnittstellen miteinander zu verbinden, wie ELEKTROPRAXIS berichtet. Unter dem vollständigen Projekttitel „From Open Coexistence to Unified Systems for Local Flexibility Management“ wird das Projekt geführt. Im Mittelpunkt steht ein Open-Source-Framework als gemeinsame Schnittstelle zwischen Anlagen, Aggregatoren, Strommärkten und Verteilnetzbetreibern (pv magazine Deutschland). Statt bestehende Systeme zu ersetzen, will das Projekt sie miteinander verknüpfen.
Offene Schnittstellen verbinden die Geräte
Eine zentrale technische Hürde sind unterschiedliche Kommunikationswege, Datenmodelle und Steuerungsschnittstellen der Hersteller. Viele vorhandene Lösungen sind proprietär und damit herstellerspezifisch. Für kleinere Hersteller, Energiedienstleister und neue Marktteilnehmende kann die Verbindung unterschiedlicher Systeme deshalb aufwendig und kostenintensiv sein.
FOCUS:LFM setzt dafür unter anderem auf die Kommunikationsprotokolle OpenADR 3.1 und MQTT 5. Das Open-Source-Framework soll eine technische Aggregation dezentraler Flexibilität ermöglichen. Es ist als gemeinsame Verbindungsebene zwischen flexiblen Geräten, Gebäude- und Energiemanagementsystemen, technischen und wirtschaftlichen Aggregatoren, Stromhandel, Flexibilitätsvermarktung sowie den Prozessen der Verteilnetzbetreiber gedacht.
Die wichtigsten Elemente des Projekts im Überblick:
- 18 österreichische Partnerorganisationen entwickeln die gemeinsame digitale Infrastruktur.
- Das Projekt setzt unter anderem auf OpenADR 3.1 und MQTT 5.
- Simulations- und Labortests sowie spätere Feldversuche sollen die Praxistauglichkeit prüfen.
- Geplant sind Versuche im Reallabor Waldviertel und in mehreren Energiegemeinschaften.
120 Gigawatt Nachfrageflexibilität im Jahr 2030
Eine EU-Analyse beziffert das Potenzial nachfrageseitiger Flexibilität für das Jahr 2030 auf rund 120 Gigawatt. Für die Europäische Union werden derzeit zum Vergleich rund 44 Gigawatt installierte Pumpspeicherleistung angegeben. Flexible Geräte können Pumpspeicher nicht vollständig ersetzen. Die Analyse verdeutlicht jedoch das bislang nur teilweise erschlossene Potenzial in Haushalten, Betrieben und Energiegemeinschaften.
Für die Strommärkte und Netzbetreiber sind Wärmepumpen, Elektroautos oder Batteriespeicher einzeln meist zu kleine Anlagen. Ein Elektroauto muss nicht unmittelbar nach dem Anstecken mit voller Leistung laden. Eine Wärmepumpe kann innerhalb bestimmter Grenzen Wärme vorproduzieren, während ein Batteriespeicher Strom aufnehmen und später wieder abgeben kann. Werden viele Geräte koordiniert, können daraus größere Flexibilitätspools entstehen.
Für Haushalte mit einer kleinen PV-Anlage ist dieser übergreifende Ansatz eine technische Anschlussfrage: PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe und Elektroauto sollen über gemeinsame Schnittstellen erreichbar bleiben, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen. Beim Betrieb von Batteriespeichern im Winter rückt zusätzlich die zeitlich flexible Aufnahme und Abgabe von Strom in den Mittelpunkt.
Praxistests mit realen Geräten
Die entwickelten Komponenten und Schnittstellen sollen zunächst in Simulationen und Laborumgebungen mit realen Geräten erprobt werden. Anschließend sind Feldversuche vorgesehen. Vorgesehen sind unter anderem Versuche mit Ladeinfrastruktur für Elektroautos, Elektroboilern und Energiemanagementsystemen.
Die Versuche sollen unter anderem im Reallabor Waldviertel und in mehreren Energiegemeinschaften stattfinden. Dabei wird untersucht, ob sich Anlagen unterschiedlicher Hersteller zuverlässig koordinieren lassen und welche Anforderungen sich aus dem Zusammenspiel mit Netzbetreibern und Aggregatoren ergeben. Damit soll das Projekt klären, wie herstellerübergreifende Steuerung in der Praxis funktioniert und welche Schnittstellen zwischen Gebäuden, Anlagen, Märkten und Netzen erforderlich sind.
Österreich schafft Anreize ab 2027
Österreich treibt derzeit die regulatorischen Voraussetzungen für eine stärkere Flexibilisierung des Stromsystems voran. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz soll die digitale Steuerung von Anlagen erleichtern. Zudem hat die Regulierungsbehörde E-Control eine Reform der Netzentgelte beschlossen, durch die ab 2027 schrittweise Anreize für eine flexible Stromnutzung entstehen sollen.
Quellen
- Österreichisches Forschungsprojekt soll Batteriespeicher und Wärmepumpen für Flexibilitätsmärkte vernetzen — pv-magazine.de, 2026-10-21
- Kleine Stromverbraucher zu Flexibilitätspools machen — elektropraxis.at, 2026-10-21
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