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Warum nutzen Netzbetreiber die gesetzliche Spitzenkappung kaum?

· Solaranlage kaufen Redaktion · 3 Min. Lesezeit

Rückansicht einer Frau mit breitkrempigem Hut vor einer Solarmodul-Anlage.
GlacierNPS / Wikimedia Commons (Public domain)
Auf einen BlickDetails
Analyse83 Verteilnetzbetreiber untersucht
Systematische Nutzer5 Betreiber mit Planungsansatz
Punktuelle Nutzer3 Betreiber mit Einzelanwendung
EinsparpotenzialBis zu 30 % reduzierte Einspeiseleistung bei PV
KonfliktNetzbetreiber profitieren finanziell mehr vom Netzausbau

Was ist die Spitzenkappung?

Die Spitzenkappung ist ein gesetzlich vorgesehenes Instrument, um Stromnetze effizienter zu nutzen und Netzausbaukosten zu senken. Im Rahmen ihrer Planung dürfen Netzbetreiber davon ausgehen, dass jährlich bis zu drei Prozent der Stromerzeugung von Wind- und Solaranlagen abgeregelt werden kann. Auf diese Weise kann die anzusetzende Einspeiseleistung bei Photovoltaik um bis zu 30 Prozent und bei Windenergie um bis zu 13 Prozent reduziert werden.

Wie viele Netzbetreiber nutzen das Instrument?

Eine Hintergrundanalyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) zeigt: Bei 85,5 Prozent der untersuchten 83 Verteilnetzbetreiber ist die Spitzenkappung in der Netzplanung nicht erkennbar berücksichtigt. Unter den 83 untersuchten Betreibern verfügten lediglich fünf über einen systematischen Planungsansatz; drei weitere setzten das Instrument punktuell ein. Bei vier Unternehmen war wegen widersprüchlicher Angaben keine eindeutige Zuordnung möglich (pv magazine Deutschland). Die verbleibenden 734 Betreiber verfügen aufgrund ihrer geringen Größe über keine gesonderten Netzausbaupläne.

Robert Busch, Geschäftsführer des bne, fordert: Neue Einschränkungen für Erneuerbare dürften erst dann geschaffen werden, wenn die Netzbetreiber ihre Hausaufgaben gemacht hätten. Denn ein gesetzlich vorgesehenes Instrument zur besseren Netznutzung werde weitgehend ignoriert.

Warum verzichten Netzbetreiber darauf?

Die Betreiber nennen als Gründe für ihren Verzicht unter anderem den ohnehin fälligen Netzausbau, hohen Planungsaufwand sowie Entschädigungskosten – diese bewerten sie als wirtschaftlich ungünstiger im Vergleich zum Netzausbau. Einige verfolgen sogar das Ziel, ein vollständig engpassfreies Netz einzig durch zusätzlichen Netzausbau zu erreichen.

Dahinter stecken regulatorische Anreize: Zusätzliche Netzinvestitionen erhöhen die verzinste Kapitalbasis der Netzbetreiber (Solarserver). Vermeiden sie hingegen durch Spitzenkappung Investitionen, erhalten sie keine vergleichbare unmittelbare Vergütung. Bereits die Bundesnetzagentur hat 2015 auf diesen Zielkonflikt hingewiesen. Offenbar fehlen für Netzbetreiber ausreichende Anreize, ihr Netz effizienter zu planen und zu nutzen.

Welche Rolle spielt der Redispatch-Vorbehalt?

Vor dem Hintergrund des geplanten Redispatch-Vorbehalts erscheine die geringe Nutzung bestehender Instrumente besonders kritisch (verbaende.com). Dieser soll zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten schaffen und Entschädigungsrisiken auf Anlagenbetreiber verlagern. Aus Sicht des bne werde thus, anstatt bestehende Möglichkeiten zur effizienteren Netzplanung konsequent auszuschöpfen, über neue Einschränkungen für erneuerbare Energien diskutiert. Im Vordergrund müsse die tatsächliche Senkung der Netzkosten stehen – nicht deren Verlagerung auf Anlagenbetreiber.

Was fordert der Verband?

Der bne fordert transparente Wirtschaftlichkeitsvergleiche einer Netzplanung mit und ohne Spitzenkappung. Demnach seien Netzbetreiber verpflichtet, darzulegen, welche Alternativen sie geprüft haben und welche Anschlussmöglichkeiten sowie Kosteneinsparungen sich dadurch ergäben.

Eine Regulierung, die Netzbetreiber allein für umfangreichen Infrastrukturausbau entlohnt, solle nicht länger Bestand haben. Entscheidend sei vielmehr, dass möglichst viele Anlagen zu möglichst geringen Kosten angeschlossen werden können – das stelle echte Infrastruktureffizienz dar, so Robert Busch.

Was bedeutet das für Anlagenbetreiber?

Für Hausbesitzer, die eine Photovoltaikanlage oder einen Speicher kaufen wollen, könnte eine stärkere Nutzung der Spitzenkappung direkte Vorteile haben: Mehr Netzkapazität für neue Anlagen und potenziell geringere Netzentgelte durch vermiedene Ausbaukosten. Derzeit verhindert die geringe Nutzung des Instruments, dass dieses Potenzial vollständig erschlossen wird. Die Überwindung der Netz(anschluss)krise sei für die Gesamtwirtschaft absolut prioritär, betont Robert Busch. Während das gesetzlich vorgesehene Instrument ungenutzt bleibe, könnten Hausbesitzer mit Anschlusswartzeiten konfrontiert werden, die bei konsequenter Anwendung der Spitzenkappung kürzer ausfallen könnten.

Quellen

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