Rund 400 Arbeitsplätze bei Sonnen stehen nach dem Insolvenzantrag auf dem Spiel
· Solaranlage kaufen Redaktion · 3 Min. Lesezeit

Rund 400 Beschäftigte der sonnen GmbH wurden am 22 (IWR). Oktober 2026 über den Insolvenzantrag informiert. Die sonnen GmbH mit Sitz in Wildpoldsried hatte am Donnerstag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt; eine Anfrage von PHOTON blieb zunächst unbeantwortet.
Was passiert mit Sonnen?
Den Antrag bestätigte die sonnen GmbH gegenüber dem Handelsblatt, wie BR berichtet. Nur zwei Monate nach dem Verkauf durch Shell an Tiven im August 2026 stellte das Unternehmen damit den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Tiven ist das Family Office von Gert Purkert mit Sitz in München und Malta und wollte Sonnen ursprünglich mit Hilfe des Investmenthauses Aurelius sanieren und anschließend weiterverkaufen. Im August hatte sich Sonnen gegenüber dem BR noch von Wachstum und gut gefüllten Auftragsbüchern geäußert.
Nach den im Bericht des Handelsblatts genannten Informationen sollen zahlreiche Tochtergesellschaften abgewickelt oder in eine Insolvenz in Eigenverwaltung überführt werden (Solarserver). Lediglich ein Produktionsstandort soll erhalten bleiben. Für die mehr als 150.000 Kunden mit einem Speicher oder einer Solaranlage von Sonnen sollen Bestandsgeschäft und Service vorerst weiterlaufen. Welche Teile des Unternehmens langfristig bestehen bleiben, war zunächst offen.
Was gilt für bestehende Speicher und Garantien?
Das Bestandskundengeschäft soll zunächst weiterlaufen. Die vertraglich vereinbarten Leistungen gelten zunächst weiter; ein Sonderkündigungsrecht entsteht allein durch die Insolvenz nicht (wochenblatt-dlv.de).
Bei neuen Waren beträgt die gesetzliche Gewährleistung üblicherweise zwei Jahre. Sie richtet sich grundsätzlich gegen den Verkäufer oder den zuständigen Vertragspartner. Liegt die Verantwortung bei Sonnen, müssen betroffene Kunden ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren geltend machen. Ob und in welchem Umfang freiwillige Herstellergarantien weiter erfüllt werden, hängt vom Einzelfall ab.
Die Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt, Rechnungen, Zahlungsnachweise, Garantieunterlagen und Wartungsprotokolle aufzubewahren. Bei bereits bestellten, aber noch nicht erhaltenen Geräten soll der Lieferstatus beim Unternehmen oder beim zuständigen Insolvenzverwalter erfragt werden. Vom Wochenblatt wird zudem geraten, weitere Vorauszahlungen zu vermeiden, solange die Abwicklung unklar ist.
Wer noch einen Speicher auswählt, findet in der Übersicht Lohnt sich ein Stromspeicher? die zentralen Fragen. Für kompakte Systeme bietet die Auswahl zum Balkonkraftwerk mit Speicher einen Überblick über passende Speicherlösungen.
Warum war die geplante Sanierung so kurz?
Nach den im Handelsblatt genannten Angaben wollte Tiven das Unternehmen nun mit Aurelius sanieren und anschließend weiterverkaufen.
Schon im geprüften Jahresabschluss 2023 wurde ein bestandsgefährdendes Risiko ausgewiesen. Die Fortführung der sonnen GmbH hing demnach von der finanziellen Unterstützung durch ihre Muttergesellschaft ab. Die Sonnen Holding GmbH sagte im Juni 2024 eine Finanzierung von bis zu 49,2 Millionen Euro bis Ende 2025 zu und war selbst auf Unterstützung aus dem Shell-Konzern angewiesen. Unter Shell sollte das Restrukturierungsprogramm „Sunrise“ die wirtschaftliche Lage verbessern.
Die Insolvenz kam damit trotz des erst zwei Monate zurückliegenden Eigentümerwechsels. Für Käufer ist der aktuelle Stand bei bereits bestellten Systemen deshalb wichtiger als die Aussicht auf einen späteren Produktionsstart: Die gelieferten Anlagen sollen weiter betreut werden, während bei offenen Lieferungen der Status noch geklärt werden muss.
Welche Folgen hat die Insolvenz für den Speichermarkt?
Sonnen ist nicht der einzige deutsche Speicherhersteller mit wirtschaftlichen Problemen:
- Die RCT Power GmbH stellte im September 2026 einen Insolvenzantrag.
- Über die VARTA Storage GmbH wurde Anfang Oktober 2026 ein Insolvenzverfahren eröffnet.
- Die EnBW-Tochter Senec kündigte bereits im Juli 2026 an, das Neukundengeschäft einzustellen.
Nach einer Auswertung von P3 und der RWTH Aachen sank der gemeinsame Anteil der fünf größten Hersteller an der neu installierten Speicherkapazität in Deutschland von knapp 55 Prozent im Jahr 2024 auf gut 45 Prozent im Jahr 2025. Sonnen erreichte 2025 einen Marktanteil von 3,3 Prozent, während BYD mit 16,5 Prozent Marktführer blieb.
Auch die Einkaufstruktur verändert sich. Große Installationsunternehmen wie Enpal und 1Komma5° arbeiten mit ausgewählten Speicherherstellern zusammen und bieten zunehmend standardisierte Systemlösungen an. Für Haushalte, die ein neues Produkt vergleichen, bietet Kleines Kraftwerk: Erfahrungen, Lieferzeit & Gutscheine Angaben zu Produkten und Lieferzeiten. Enpal kooperiert inzwischen mit dem chinesischen Hersteller Fox ESS.
Quellen
- Speicherhersteller Sonnen: Hohe Verluste und Insolvenz — solarserver.de, 2026-10-23
- Handelsblatt: Speicherhersteller Sonnen meldet Insolvenz an — photon.info, 2026-10-22
- Allgäuer Batteriespeicher-Hersteller Sonnen ist insolvent — br.de, 2026-10-23
- Heimspeicher-Pionier Sonnen meldet Insolvenz an — windbranche.de, 2026-10-23
- Batteriespeicher-Pionier aus dem Allgäu insolvent — wochenblatt-dlv.de, 2026-10-23
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