Überspannungsschutz für PV-Anlagen
Ein Überspannungsschutz für Photovoltaik schützt vor allem den Wechselrichter vor Spannungsspitzen, die bei Gewittern über die langen Modulleitungen oder das Stromnetz in die Anlage gelangen. Wer einen Überspannungsschutz PV-Anlage kaufen möchte, steht vor Begriffen wie Typ 1, Typ 2, UCPV oder Y-Schaltung. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Ableiter es für die Gleichstrom- und die Wechselstromseite gibt, welche Normen in Deutschland den Einbau verlangen, worauf Sie beim Vergleich von Datenblättern achten sollten und warum die Montage in die Hände einer Elektrofachkraft gehört.
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Wozu dient ein Überspannungsschutz bei PV?
Eine Solaranlage auf dem Dach ist Gewittern direkt ausgesetzt. Schon ein Blitzeinschlag in der Nähe kann über induktive Kopplung hohe Spannungen in die Stringleitungen einkoppeln. Der Hersteller DEHN beschreibt, dass die Verkabelung der Module häufig große Leiterschleifen bildet, die wie Antennen wirken: Je länger der String, desto stärker die Induktionswirkung. Diese eingekoppelten Ströme belasten vor allem den Wechselrichter.
Ein Überspannungsableiter (englisch Surge Protective Device, kurz SPD) begrenzt solche Spannungsspitzen und leitet den Stoßstrom gegen Erde ab, bevor er die Elektronik erreicht. Er ersetzt aber keinen äußeren Blitzschutz und keine fachgerechte Erdung. Grundlagen dazu finden Sie im Ratgeber Erdung & Blitzschutz der PV-Anlage und in unserer Übersicht zum Zubehör Erdung.
Was die Normen verlangen
In Deutschland regeln drei Normen den Überspannungsschutz rund um die PV-Anlage:
- DIN VDE 0100-443 und -534 (Ausgabe Oktober 2016): Sie legen fest, wann auf der AC-Seite Überspannungsschutz nötig ist und wie die Geräte ausgewählt und eingebaut werden. Die Übergangsfrist endete am 14.12.2018. Laut Fachzeitschrift elektro.net gibt es keine generelle Nachrüstpflicht für Bestandsanlagen, erneuerte oder erweiterte Anlagenteile müssen aber nach aktuellem Normenstand errichtet werden. DEHN weist darauf hin, dass beim Anschluss einer PV-Anlage in der Regel ohnehin der Zählerplatz nach den aktuellen Technischen Anschlussbedingungen angepasst wird, sodass die Anforderungen auch bei Nachrüstungen auf Bestandsgebäuden greifen.
- DIN VDE 0100-712: Die Errichtungsnorm für PV-Stromversorgungssysteme verweist für die Überspannungs-Schutzeinrichtungen auf Beiblatt 5 der DIN EN 62305-3.
- DIN EN 62305-3 Beiblatt 5: Es beschreibt Blitz- und Überspannungsschutz speziell für PV-Anlagen.
Nach Darstellung von DEHN ergibt sich daraus: Ist auf der AC-Seite ein Überspannungsschutz vorhanden, ist zum Schutz des Wechselrichters auch auf der DC-Seite einer erforderlich, und zwar bei Gebäuden mit und ohne äußeres Blitzschutzsystem. Verbindlich prüft das Ihre Elektrofachkraft für Ihr konkretes Gebäude.
Überspannungsschutz DC und AC: Typ 1, Typ 2 oder Kombi-Ableiter?
Ableiter werden nach ihrem Ableitvermögen in Typen eingeteilt. Typ 1 (Blitzstrom-Ableiter) verkraftet Teilblitzströme, Typ 2 begrenzt Überspannungen aus indirekten Einschlägen und Schalthandlungen, Typ 3 dient dem Feinschutz am Endgerät. Kombi-Ableiter vereinen mehrere Typen in einem Gerät.
Welcher Typ auf welche Seite gehört, hängt nach Beiblatt 5 vom Blitzschutz des Gebäudes ab. Die Auswahlmatrix in der DEHN-Broschüre zu PV-Systemen fasst das so zusammen:
| Gebäude | AC-Seite (Einspeisepunkt) | Überspannungsschutz DC (am Wechselrichter) |
|---|---|---|
| Ohne äußeres Blitzschutzsystem | Typ 1 + 2 | Typ 2 |
| Mit Blitzschutz, Trennungsabstand eingehalten | Typ 1 + 2 | Typ 2 |
| Mit Blitzschutz, Trennungsabstand nicht eingehalten | Typ 1 + 2 | Typ 1 + 2 |
Für das typische Einfamilienhaus ohne Blitzableiter ist auf der Gleichstromseite also ein Typ-2-Ableiter üblich. Liegen zwischen Ableiter und Wechselrichter mehr als 10 Meter Leitung, empfiehlt DEHN ein weiteres Typ-2-Gerät, bei nicht eingehaltenem Trennungsabstand einen weiteren Kombi-Ableiter Typ 1 + 2. Auf der AC-Seite sitzt der Kombi-Ableiter meist im Zählerschrank am Gebäudeeintritt.
Bauformen: Hutschiene, Gehäuse oder integrierte Lösung
Ableiter für die Hutschiene
Die klassische Lösung ist ein steckbarer Ableiter für die 35-mm-Hutschiene, der in einem Verteiler oder Kleingehäuse nahe dem Wechselrichter sitzt. Für PV-Strings gibt es dreipolige Geräte in Y-Schaltung, die zwischen Plus, Minus und Erde schützen.
Komplett im Gehäuse
Fertig verdrahtete Gehäuse mit integriertem Typ-2-Ableiter, teils mit Strangsicherungen und Trennschalter, sparen Montagezeit. DEHN bietet solche Kästen etwa mit Schraubanschluss oder mit MC4-Steckverbindung an. Mehr zu dieser Bauform lesen Sie auf unserer Seite zum Generatoranschlusskasten; passende Steckverbinder finden Sie unter MC4-Stecker.
Im Wechselrichter integriert
Einige Hersteller bieten DC-Ableiter als Einbauoption an. Fronius etwa vertreibt für die Wechselrichter Symo GEN24 Plus und Primo GEN24 Plus ein Nachrüstset Typ 1 + 2, das in den Anschlussbereich des Geräts gesetzt wird und über das Portal Solar.web meldet, wenn es ausgelöst hat. Prüfen Sie beim Kauf eines Wechselrichters, ob eine solche Option existiert und welchen Typ sie abdeckt.
Überspannungsschutz PV kaufen: Datenblattwerte richtig lesen
Beim Vergleich von PV-Ableitern helfen vor allem diese Kennwerte:
- UCPV (höchste Dauerspannung DC): Sie muss über der maximalen Leerlaufspannung Ihrer Strings liegen, auch bei Kälte. DEHN bietet die Baureihe DEHNguard M YPV SCI beispielsweise für 150, 1.000 und 1.200 V an.
- Prüfklasse: Typ 2 oder Typ 1 + 2, je nach Gebäudesituation (siehe Tabelle oben).
- In und Imax (8/20 µs): Nenn- und maximaler Ableitstoßstrom.
- Up (Schutzpegel): Je niedriger, desto besser für die Elektronik; er muss zur Spannungsfestigkeit des Wechselrichters passen.
- ISCPV: Kurzschlussfestigkeit gegenüber dem Modulstrom.
- Norm: PV-Ableiter werden je nach Modell nach EN 61643-31 oder EN 50539-11 geprüft.
- Fernmeldekontakt (FM): Meldet einen ausgelösten Ableiter an Ihr Monitoring.
Zwei Beispiele aus Herstellerdatenblättern: Der DEHNguard M YPV SCI 1000 ist ein Typ-2-Ableiter nach EN 61643-31 mit UCPV 1.000 V, In 12,5 kA, Imax 25 kA und Up ≤ 4 kV; die Variante mit „FM“ hat einen Fernmeldekontakt. Der OBO V20-C 3-PH-1000 ist ein dreipoliger Typ-2-Ableiter mit 1.000 V DC höchster Dauerspannung, 20 kA Nenn- und 40 kA maximalem Ableitstoßstrom, einem Schutzpegel von höchstens 4,0 kV und drei Teilungseinheiten Baubreite; eine Fernsignalisierung hat dieses Modell nicht. Aktuelle Angebote für Wechselrichter und Komplettsets vergleichen Sie unter Angebote.
Montage gehört in Fachhände
Überspannungsableiter werden in den Potentialausgleich eingebunden, ihre Anschlussleitungen sollten kurz sein, und auf der DC-Seite liegen bei Stringanlagen mehrere Hundert Volt Gleichspannung an. Einbau und Auswahl sind deshalb Aufgabe einer Elektrofachkraft, die die Anlage auch beim Netzbetreiber anmeldet. Wie der Anschluss grundsätzlich abläuft, erklärt der Ratgeber Überspannungsschutz anschließen. Was Sie bei einer Eigenmontage selbst übernehmen dürfen und was nicht, lesen Sie unter PV-Anlage selbst installieren. Für Leitungen zwischen Dach und Technikraum siehe auch Solarkabel.
Einen Überblick über alle Komponenten Ihrer Anlage finden Sie auf der Startseite.
Häufige Fragen
Ist ein Überspannungsschutz für die PV-Anlage Pflicht?
Nach den einschlägigen Normen ist er bei neuen Anlagen in der Regel vorzusehen. Seit Ablauf der Übergangsfrist der DIN VDE 0100-443/-534 am 14.12.2018 sind deren Anforderungen umzusetzen; neu errichtete oder erweiterte Anlagenteile, also auch eine nachgerüstete PV-Anlage, müssen dem aktuellen Normenstand entsprechen. Die PV-Errichtungsnorm DIN VDE 0100-712 verlangt in Verbindung mit Beiblatt 5 der DIN EN 62305-3 zusätzlich Schutz auf der DC-Seite. Die konkrete Auslegung übernimmt Ihre Elektrofachkraft.
Brauche ich Überspannungsschutz DC auch ohne Blitzableiter auf dem Dach?
Ja. Laut DEHN gilt die Forderung nach DC-seitigem Überspannungsschutz für Gebäude ohne und mit äußerem Blitzschutzsystem. Ohne Blitzschutzanlage ist auf der DC-Seite in der Regel ein Typ-2-Ableiter vorgesehen.
Wann ist ein Typ-1-Ableiter auf der DC-Seite nötig?
Wenn das Gebäude einen äußeren Blitzschutz hat und der nötige Trennungsabstand zwischen Blitzschutzanlage und PV-Anlage nicht eingehalten werden kann. Dann können Teilblitzströme in die Anlage gelangen, und es wird ein Kombi-Ableiter Typ 1 + 2 eingesetzt.
Wo wird der DC-Ableiter eingebaut?
So nah wie möglich am Wechselrichter, etwa in einem Anschlusskasten direkt davor oder als Einbauoption im Wechselrichter selbst. Bei mehr als 10 Metern Leitung zwischen Ableiter und Wechselrichter empfiehlt DEHN ein zusätzliches Schutzgerät.
Welche Spannung muss ein Überspannungsschutz PV haben?
Die höchste Dauerspannung UCPV des Ableiters muss über der maximalen Leerlaufspannung Ihrer Strings liegen. Am Markt gibt es PV-Ableiter unter anderem für 1.000 V und 1.200 V DC; DEHN schlägt in seinem Schutzkonzept für Wohngebäude etwa einen Typ-2-Ableiter für 1.200 V vor. Maßgeblich sind die Daten Ihrer Module, die Stringlänge und die tiefste zu erwartende Temperatur.
Quellen
- Photovoltaik-Systeme schützen – Blitz- und Überspannungsschutz (DS109) – DEHN SE, abgerufen am 02. Oktober 2026
- Schutzkonzept für PV-Anlagen auf Wohngebäuden (DS115) – DEHN SE, abgerufen am 02. Oktober 2026
- DEHNguard M (Y)PV SCI – Überspannungsableiter Typ 2 für PV-Anlagen – DEHN SE, abgerufen am 02. Oktober 2026
- Technisches Datenblatt PV-Überspannungsschutz V20, 1000 V DC (V20-C 3-PH-1000) – OBO Bettermann, abgerufen am 02. Oktober 2026
- DC-Überspannungsschutz zum Einbau in GEN24 Plus – Fronius International, abgerufen am 02. Oktober 2026
- Überspannungsschutz ist nun Pflicht – elektro.net (Hüthig), abgerufen am 02. Oktober 2026
Inhalt zuletzt geprüft: 04. Oktober 2026